Bedürfnis

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Ein Bedürfnis (→WP) ist ein Verlangen oder Wunsch nach bestimmten Dingen oder nach Änderung eines Zustands. Viele Bedürfnisse haben die Beseitigung bzw. Milderung eines Mangel oder einer als unbefriedigend empfundenen Situation zum Ziel.

Bedürfnisse im Kapitalismus

Große Teile der heutigen Wirtschaft basieren darauf, Bedürfnisse nicht nur zu erfüllen, sondern sie vor allem erst einmal hervorzurufen.

Die Bedürfnisbefriedigung ist nicht der Hauptzweck des Kapitalismus (sondern die möglichst effiziente Verwertung von Kapital und anderen Ressourcen). Dennoch würde der Kapitalismus nicht funktionieren, würde er nicht auch – sozusagen aus Versehen – Bedürfnisse befriedigen. Wessen Bedürfnisse auf welche Weise befriedigt werden, hängt dabei hauptsächlich von den Möglichkeiten der Verwertung und der Kaufkraft der Betroffenen ab. (Dies betrifft natürlich generell nur Bedürfnisse, bei denen die Mittel zu ihrer Befriedigung gesellschaftlich produziert werden müssen – für andere Bedürfnisse ist die Frage der gesellschaftlichen Organisation irrelevant.)

Zu wessen Nutzen dies geschieht, d.h. wer von der Bedürfnisbefriedigung in welchem Maße profitiert, ist dabei ein gesellschaftlich umkämpftes Feld auch innerhalb des Kapitalismus (z.B. durch Tarifverhandlungen, Konkurrenzkämpfe zwischen Firmen, Lobbyismus).

Bedürfnisse in der Freien Gesellschaft

Im Kapitalismus ist, wie gesagt, auch das Hervorrufen von Bedürfnisse wichtig. In einer Freien Gesellschaft, wo auf ein solches Aufdrängen (Oktroyieren) von Bedürfnissen verzichtet werden könnte, dürften deshalb manche der heute vermeintlich vorhandenen Bedürfnisse entfallen.

Allerdings muss das Entscheiden darüber, welche Bedürfnisse echt sind und welche nicht, immer den jeweils betroffenen Personen selbst überlassen werden (wobei natürlich andere dabei behilflich sein können, dies herauszufinden). Eine Freie Gesellschaft, die ihren Namen verdient, kann nicht auf der Grundlage entstehen, dass bestimmte Bedürfnisse anderer als „falsch“ deklariert und ab sofort ignoriert werden.

Gleichzeitig gibt es natürlich keinen Anspruch an die Gesellschaft, individuelle Bedürfnisse auch zu befriedigen. Doch sollten alle die Möglichkeit haben, auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse hinzuwirken (allein oder im Rahmen Freier Kooperationsverhältnisse), sofern sie damit anderen keinen Schaden zufügen.

Bedürfnisbefriedigung als Mittel oder Zweck

Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Kapitalismus und einer Freien Gesellschaft ist also, dass ersterer Bedürfnisbefriedigung nur als Mittel zum Zweck (der Verwertung) ansieht. In der Freien Gesellschaft gibt es dagegen kein solches externes Ziel, ebensowenig wie bei der Erstellung doppelt freier Software – hier wird vielmehr die Bedürfnisbefriedigung zum unmittelbaren Ziel der involvierten Personen.

Im Kapitalismus kann Bedürfnisbefriedigung somit nur dann stattfinden, wenn sie dem eigentlichen Zweck entspricht (oder ihm zumindest nicht nennenswert entgegensteht). VW, Opel und Daimler können nicht einfach zwecks Bedürfnisbefriedigung anderer ihre Autos verschenken – oder auch nur auf Entlassungen verzichten –, wenn ihre Gewinne dabei einbrechen. Tendenziell müssen Firmen ihren Gewinn maximieren, um nicht pleite zu gehen (weil sie zusätzliches Kapital für Reinvestition brauchen, um konkurrenzfähig zu bleiben etc.). Dies ist ein strukturelles Problem, es ist nicht die persönliche „Schuld“ irgendwelcher „böser“ oder „gieriger“ Kapitalisten.

Man kann innerhalb des Kapitalismus alles mögliche veranstalten, aber wenn's ernst wird, wenn's also um die Notwendigkeiten des Kapitalismus als solchem geht, ist Feierabend. Deshalb können bloße „Reformen“ des Kapitalismus aus diesem auch keine Freie Gesellschaft machen, da sie diesen fundamentalen Unterschied – Bedürfnisbefriedigung als Mittel oder Zweck – nicht überwinden können.

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