Freie Hardware

aus dem Freie-Gesellschaft-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Freie Hardware bezieht sich neben Computerhardware im engeren Sinne auch auf andere (meist technische) Gegenstände (wie z.B. Autos). Er kann zwei Bedeutungen haben:

Freies Hardware-Design
(Technische) Geräte, deren Baupläne (z.B. Schaltpläne, Leiterplattendesign) sowie Dokumentation (Bedienungsanweisungen, Interface-Definitionen etc.) unter freien Lizenzen wie der GPL genutzt werden können (der Informationsanteil ist frei im Sinne der vier Freiheiten, der materielle Anteil nicht). Handelt es sich bei der verwendeten Lizenz um die GPL, spricht man auch von GPL-Hardware.
Frei verfügbare Hardware
(Technische) Geräte, die darüber hinaus (ähnlich wie Freie Software und Freie Inhalte) allen Interessierten frei zur Verfügung stehen (was bedeutet, dass die materielle Knappheit an diesen Geräten überwunden sein muss).

Für Freies Hardware-Design sollten zudem die Programme, die zum Lesen und Verarbeiten der Design-Dokumente gebraucht werden, Freie Software sein (andernfalls handelt es sich womöglich nur um Köder für proprietäre Software).

Ein Beispiel für Freies Hardware-Design stellt das OSCar-Projekt dar, dessen Ziel es ist, ein Freies Auto zu bauen.

Freie Hardware und die vier Freiheiten

In Abwesenheit von Fabbern sind die vier Freiheiten nicht 100% auf komplette Hardware anzuwenden, da die Hardware selbst nicht kopiert werden kann. Das schränkt die 2. Freiheit zwangsläufig ein — man hat zwar das Recht, auf Freiem Design basierende Hardware zu kopieren, aber nicht unbedingt die Möglichkeit dazu. Um die Hürden für die Möglichkeit zu senken, sollte Freie Hardware deshalb idealerweise folgende Anforderungen erfüllen:

  • Verwendung möglichst einfacher, günstig erhältlicher oder produzierbarer Komponenten.
  • Möglichst einfacher Zusammenbau der Komponenten.
  • Standardisierung: Verwendung bzw. Entwicklung von standardisierten bzw. klar spezifizierten Bauteilen und Designs, um Abhängigkeiten von bestimmten Herstellern zu vermeiden.
  • Modularität: lieber viele einfache Tools, die flexibel eingesetzt und miteinander kombiniert werden können, statt hochkomplexer Einzellösungen für einen bestimmten Spezialfall (entsprechend der Unix-Philosophie).

Diese Anforderungen kommen zugleich auch der 1. (kann untersucht und angepasst werden) und 3. Freiheit (Verbesserungen können allgemein zugänglich gemacht werden) entgegen. Für die 0. Freiheit (flexible Nutzung) kommen noch folgende Anforderungen hinzu:

  • Robustheit: Freie Geräte sollten „pflegeleicht“ und robust sein.
  • Wartbarkeit: Freie Geräte sollten einfach zu warten und zu reparieren sein.

Ein älteres Beispiel für Geräte, die aufgrund ihrer Einfachheit selbst zusammengebaut werden können, ist der Covox-Stecker.

Kooperation und Konkurrenz

Es gibt bei Freier Hardware keine Betriebsgeheimnisse. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass es keine Konkurrenz zwischen im selben Bereich arbeitenden Betrieben mehr gibt. Jedoch bekommt die Konkurrenz, die noch möglich ist, einen anderen Charakter. Die Produktivkraft wird nicht mehr dadurch eingeschränkt, dass andere das gesellschaftliche Wissen nicht unmittelbar nutzen könnten. In der heutigen Marktwirtschaft produzieren andere Betriebe entweder ineffektiver als derjenige, der ein fortgeschritteneres Wissen hat, oder sie müssen sein Rad neu erfinden. Diese Irrationalität des Marktes (aus gesellschaftlicher Sicht) fällt weg, wenn alles Wissen sofort offengelegt wird.

Konkurrenten können nicht mehr durch Geheimhaltung oder Exklusivrechte behindert und im Extremfall vom Markt gedrängt werden, konkurrierendes Werben um Kunden auf Basis von z.B. besserer Produktionsqualität, Kundenbindung, Image ist aber weiterhin möglich, ebenso konkurrierendes Werben um Mitarbeiter. Da das Teilen und Austauschen neuer Erkenntnisse und Ideen zwischen „konkurrierenden“ Betrieben dadurch aber nicht verhindert werden kann, bleibt auch immer ein Element der Kooperation, so dass man eher von Kooperenz sprechen könnte.

Nicht-technische Freie Gegenstände

Die hier diskutierten Sachverhalte sind nicht auf technische Geräte beschränkt. Generell kann man (Koch-)Rezepte oder Schnittmuster als eine Art Freies Design betrachten (vorausgesetzt natürlich, dass diese frei verwendet und angepasst werden dürfen). Ein weiteres Beispiel für Freies Design nicht-technischer Gegenstände ist Piecepack, ein System zum Erstellen Freier Brettspiele.

Links zu Freien Hardware-Designs

Sammlungen Freier Hardware-Designs

Soziales Freies Design

  • ThinkCycle: eine wissenschaftliche Initiative, bei der es besonders darum geht, Freie Design-Lösungen für Entwicklungsländer und Umweltprobleme zu entwickeln

Einige Beispiel-Projekte

Software zum Designen Freier Hardware

Weitere Informationen

Siehe auch: Kategorie 'Freie Hardware' im Keimform-Blog.