Natürliche Knappheit

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Natürliche Knappheit ist eine Form von Knappheit, die auftritt, wenn Güter nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind oder produziert werden können, um alle daran Interessierten zufrieden zu stellen. Typischere Gründe für natürliche Knappheit sind die Verwendung endlicher Ressourcen oder die Abhängigkeit von nutzbarem Raum. Wenn Güter in ausreichendem Maß produziert werden könnten, aber nicht produziert werden, handelt es sich um eine andere Art von Knappheit, die man als Unterproduktion bezeichnen kann.

Denkbare Verteilungsmode bei natürlicher Knappheit

Wie könnten in einer Freien Gesellschaft Dinge verteilt, die nicht in beliebigen Mengen produziert werden können, z.B. Wohnungen? (Genug attraktiven Wohnraum für alle kann man produzieren, aber vermutlich würden doch mehr Menschen z.B. Meer- oder Seeblick bevorzugen als tatsächlich bekommen können.)

Hier sind verschiedene Modi denkbar, aber nicht alle sind in allen Situationen gleichermaßen wünschenswert.

Abstimmungen (Demokratische Entscheidung)

Wo wirklich noch natürliche Knappheit verwaltet werden muss, ließen sich auch einfache Abstimmungsverfahren bei der Verteilung denken (wie die Abstimmungen in der Schweiz). Denn die Verteilung über Geld und entsprechende Ansprüche ist ja auch nicht so elegant wie es auf den ersten Blick aussieht (Verwaltungsaufwand, juristische Abwicklungen, emotionale Friktionen (Unzufriedenheit, Neid, Aggressionen) mit dem entsprechenden Behandlungsaufwand, so dass Abstimmungen nicht unbedingt als ineffizienter anzusehen wären.

Knappe Resourcen für Freie Projekte könnten auf diese Weise verteilt werden, aber im Privatleben sollte dieser Modus möglichst weitgehend vermieden werden, damit keine Bittsteller-Kultur entsteht. Die Möglichkeit, sich einfach nehmen oder kaufen zu können, was man will, ohne dass einem andere reinreden können, ist eine wichtige Errungenschaft, die man nicht leichtfertig opfern sollte. Im Kapitalismus hat man im Allgemeinen diese Möglichkeit, sofern und soweit man sie sich leisten kann, und bei Freier Software hat man sie praktisch unbeschränkt.

Wenn man dagegen erst einen Antrag stellen muss mit Begründung, warum man etwas bestimmtes will, und dann hoffen, dass die anderen das akzeptieren, dann ist das latent immer erniedrigend. Derartige Situationen hat man heute z.B. bei der Aufnahme in WGs, wo man intensive "Passt die/der auch zu uns?"-Gespräche über sich ergehen lassen muss. In solchen Fällen geht es nicht anders, dennoch es doch gut, dass es noch die Alternative gibt, sich einfach eine eigene Wohnung zu mieten, ohne dass einem jemand reinreden kann. In einer Freien Gesellschaft sollten solche Möglichkeiten erhalten bleiben, wenn sie ihrem Namen gerecht werden will.

Freie Projekte zur Bedürfnisbefriedigung

Viele Szenarien ließen sich wahrscheinlich nach der Regel "Besondere Wünsche erfordern besondere Projekte" behandeln, entsprechend Raymonds "scratching an itch"-Motto. Der öffentliche Nahverkehr wird vermutlich allen frei zur Verfügung stehen, darüber hinaus dürften Gemeinden eine Reihe von Fällen beschließen, in denen ohne weiteres ein Privatauto gestellt wird (z.B. für Familien mit Kindern, die auswärts wohnen; für Versorgung + Transport Schwerkranker/Behinderter; ...). Wer sonst noch ein Auto will, kann dann einen Antrag bei der Gemeinde mit entsprechender Begründung stellen und hoffen dass der akzeptiert wird (Modus "demokratische Entscheidung"), sie/er kann sich aber auch einfach in einem Projekt engagieren, das alte Autos renoviert oder neue baut und seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt und sich darüber hinaus auch an der Pflege der Straßen beteiligt (wenn sie letzteres verweigern, werde ihnen die Gemeinden wohl kaum die benötigten Resourcen gewähren).

Ähnlich könnte es bei Wohnraum aussehen: wer umziehen will, sucht sich unter den leerstehenden Wohnungen eine aus bzw. sucht sich eine WG, die sie/ihn aufnimmt. Wem die vorhandene Auswahl nicht reicht, sucht sich oder gründet ein Projekt, aus sich gezielt um den Bau oder Ausbau besonders schöner/großer/gutgelebener Wohnungen bzw. Wohnhäuser kümmert. Wobei so ein Projekt natürlich, sofern es schöne/gutgelegene Wohnungen/Freiflächen nutzen will, mit den betreffenden Gemeinden beiderseitig akzeptierte Bedingungen aushandeln müsste, um die dann auch zu kriegen (z.B. entsprechendes Mehr-Engagement der Projektmitglieder bei den unangenehmen Aufgaben o.ä.).

Eigentum und Geld

Grundsätzlich kann das heute dominante Tauschprinzip mit seinem Universaltauschmittel Geld natürlich auch beibehalten werden, sofern es gelingt, es von dem dominanten zu einem untergeordneten Prinzip zu machen und es auf die Bereiche, wo Verteilungsmechanismen nötig sind (sprich: natürliche Knappheit) zu beschränken. Dafür wäre es nötig, sich um die Aufhebung der negativen Aspekte dieses Prinzips (wie künstliche Knappheit; entfremdete Arbeit; Ausgrenzung von "Arbeitslosen" und anderen Menschen, die nicht genug zum Tauschen anzubieten haben etc.) zu kümmern.